Headshot – was ist das?

Einfach nur ein marketingträchtiger Anglizismus oder mehr?

Der Begriff Headshot stammt ursprünglich aus den USA und beschreibt dort ein eigenes  Fotogenre.

Headshots sind eine spezielle Art der Portraitfotografie, in der besonderer Wert auf die Darstellung der Person als solcher gelegt wird und nicht auf seine Funktion oder seinen Beruf.

Ihren Ursprung haben Headshots im Bereich der US Film- und Fernsehindustrie.

Sie waren und sind so etwas wie die Bewerbungsfotos der Schauspieler und Models. Sie sind damit die Eintrittskarte zu einem Casting für eine zu besetzende Rolle in der Film- und Fernsehbranche.

In den USA haben sich Headshots seit vielen Jahren als eigene Gattung mit entsprechend spezialisierten Fotografen etabliert.

Abseits der historischen Wurzeln des Headshots haben sie mittlerweile vermehrt Einzug in alle anderen Bevölkerungs- und Businesszweige gehalten.

Ein guter Headshot ist zu einem zentralen Bestandteil des Personal- und auch Corporate Brandings geworden.

Die Anforderungen an einen guten Headshot sind sehr hoch. Es gibt keine ablenkenden Accessoires, keine interessanten aber ebenso ablenkenden Hintergründe, keine Pose. Es ist allein die Fokussierung auf den Kopf und den Ausdruck (expression) des Porträtierten, der im Mittelpunkt steht.

Ein guter Headshot transportiert nicht nur die Attribute „confidence & approachability“ (also gleichzeitig Zuversicht und Selbstvertrauen sowie Zugänglichkeit und Sympathie), er soll auch den Blick des Betrachters fesseln (lookability). Das mit dem Ziel, dass dieser Headshot aus der Menge der anderen Fotos heraussticht und unmittelbar eine Verbindung zwischen Betrachter und dem Fotografierten herstellt.

Ein überzeugender Headshot, der Kompetenz und Sympathie ausstrahlt und den Blick des Betrachters fesselt eignet sich natürlich gleichermassen für alle Arten von (Firmen-) Websites, Social Media wie Facebook, Xing, LinkedIn (um nur einige zu nennen), Dating Plattformen und klassische Anwendungen wie Flyer, Firmenpräsentationen oder auch Bewerbungen.

In Deutschland ist der Begriff „Headshot“ bisher noch weitgehend unbekannt und Versuche, den Begriff sinnvoll zu übersetzen schlagen in aller Regel fehl.

Bedeutungsmässig am nächsten wäre, wenn man Headshot mit „Kopfporträt“ oder “Gesichtsporträt” bezeichnen würde, aber das klingt schon merkwürdig – zugegeben nicht so dramatisch wie die wörtliche Übersetzung .

Daher bleibe ich auch bei dem etablierten amerikanischen Begriff, da er ziemlich umfassend alle Aspekte eines für Personal- oder Corporate Brandings geeigneten Porträts beinhaltet.

Ein Headshot ist aber nicht zu vergleichen mit einem der hierzulande üblichen Bewerbungsfotos, die in Deutschland einen eher nicht so guten Ruf genießen. Letzteres liegt wohl in erster Linie daran, dass diese “Bewerbungsbilder” üblicherweise in einem vorgefertigten Standard Setup innerhalb weniger Minuten angefertigt werden. Die individuelle Persönlichkeit des Porträtierten spielt hier häufig keine Rolle, weil man sich einfach nicht die Zeit nimmt, diese herauszuarbeiten – was auch angesichts des ruinösen Wettbewerbs über den Preis schlicht unmöglich ist.

Sehr wohl kann ein Headshot allerdings auch als Bewerbungsfoto dienen und einem Bewerber somit den entscheidenden Vorteil gegenüber den Mitbewerbern verschaffen.

Dazu ist es unabdingbar, dass man sich die Zeit nimmt, in einer entspannten Atmosphäre eine Verbindung zwischen dem Fotografierten und dem Fotografen aufzubauen und das jeweilige Setup individuell auf die Person abzustimmen, um somit überhaupt erst die Voraussetzungen für ein überzeugendes Ergebnis zu schaffen.

Peter Hurley (den ich zu meinen Lehrern zählen darf) ist der Top-Headshot Fotograf in den USA (mit Studios in New York und Los Angeles) und hat sich seit mehr als 15 Jahren auf Headshots spezialisiert.

Mit seinem erkennbar eigenen Stil ist Peter Hurley mittlerweile selbst zu einer Marke geworden.

Sein “Markenzeichen” setzt sich dabei nicht nur zusammen aus seiner Art der Beleuchtung, dem weißen Hintergrund oder dem Beschneiden des Kopfes. Viel wichtiger ist, dass er in seinen Headshots die Persönlichkeit der Personen einfängt und transportiert. Dies erreicht er, indem er ihnen durch sein Coaching während der Aufnahmesession dabei hilft, die (bei der Mehrzahl der Menschen vorhandene) natürliche Scheu vor der Kamera zu vergessen und sie daher vor der Kamera authentisch agieren können.

Das Coaching ist elementarer Bestandteil einer Headshot-Session. Die Person vor der Kamera erhält detaillierte Anweisungen, wie sie sich positionieren und bewegen soll und in gewissen zeitlichen Abständen schauen Fotograf und Porträtierter gemeinsam über die Bilder, um daraus Erkenntnisse zu ziehen, was funktioniert und was man unter Umständen noch verbessern kann.

Dies ist ein wichtiger Schritt im Verlauf einer Headshot-Session, daher findet dies auch auf einem großen Monitor statt und nicht auf dem Kamera-Display.